Mittwoch, 11. September 2013

Thurgauer Zeitung, 10. September 2013, «Schubert mit einem Touch Humor», von Maya Mussilier

Der Schwulen Männerchor Zürich und die Cellisten Daniel Schaerer und Alain Schudel haben mit dem Liederabend «Schubert with a twist» die Saison des Vereins Kulturforum Amriswil eröffnet.

Wie schafft man es, aus ernster Musik eine leicht verdauliche musikalische Kost zu machen? Der Schwulen Männerchor Zürich, kurz «schmaz», hat sich dazu mit dem Cello-Duo Calva zusammengetan. So serviert der 40köpfige Chor unter der Leitung von Ernst Buscagne zusammen mit Daniel Schaerer und Alain Schudel im Kulturforum Amriswil einen Schubert-Abend, der es in sich hat.

Fast ein bisschen übertrieben
Beschwingt und fröhlich starten die Sänger mit «das Wandern» in den Abend, bevor sie im zweiten Lied von Sehnsucht und Liebe singen. «Normalerweise sind an einem Schubert-Abend ein Klavier, eine Sängerin oder ein Sänger zu erwarten», sagt Alain Schudel, dass hier gleich ein ganzer Chor stehe sei schon ein wenig übertrieben. Damit hat er die Lacher schon auf seiner Seite, bevor die Cellisten zu einer speziellen Version des Liedes «die Forelle starten». Wer hat gewusst, dass Fischers Fritz beim Fischen nicht eine Forelle an Land zieht, sondern einem Hai ins Auge sieht.

Nun ist das Eis vollends gebrochen. Das Publikum ist begeistert und sogleich etwas irritiert. Nach nur drei Liedern verlassen die Cellisten den Saal und die Sänger treten ab. Doch was folgt versöhnt sogleich. Die Sänger postieren sich zu beiden Seiten des Saales und erzeugen bei den Liedern «Die Nacht» sowie «Grab und Mond» ein spezielles Klangerlebnis.

Ein Maria-Potpourri
Nach dieser gehaltvollen Einlage, die vom Publikum wohlwollend kommentiert wird, ist es wieder Zeit für eine Auflockerung. Und die hat das Duo Calva zu bieten. Das Ave Maria soll in die Pause führen. Doch welches Ave Maria ist es denn nun wieder, jenes bekannte von Schubert oder Bach? Die beiden Musiker bieten also, sehr zur Belustigung des Publikums, ein Potpourri an Liedern, die in irgendwelcher Form mit Maria zu tun haben. Doch nicht nur die musikalische Darbietung weiss zu gefallen. Denn wer hat schon mal Cellisten kniend spielen gesehen? Oder zu zweit an einem Instrument? Während Alain Schudel noch kniet, fasst Daniel Schaerer seinem Compagnon über die Schulter und zupft an dessen Cello-Saiten.

Trinklieder aus dem Baskenland
Beschwingt geht es in den zweiten Teil des Konzertabends. In immenser Geschwindigkeit kommen die für uns unverständlichen Worte im baskischen Trinklied. Dass sich keiner der Sänger verhaspelt, grenzt schon nahezu an ein Wunder. Doch geht es ohne Panne über die Bühne, dafür mit einem fröhlichen Lachen auf den Gesichtern der Sänger.

Schon ist es Zeit, langsam Abschied zu nehmen. Die Sänger künden als Zugabe ein finnisches Trinklied und den «Twist» an, der im Titel des Liederabends versprochen wird. Und dazwischen einmal mehr eine beeindruckende Einlage des Cello-Duos. Da verwandelt sich Daniel Schaerer in einen Engel, der mit blinkenden Rollschuhen an den Füssen in den Saal fliegt. Alain Schudel spielt unbeirrt seine Melodie auf dem Cello, während ihm der Engel den weissen Anzug aus- und den Frack samt Hosen und Schuhen anzieht.

Nur ungern lässt das Publikum die Sänger und die Cellisten an diesem Abend ziehen. Und so manch einer meint: «Das war heute mal etwas ganz anderes.»


Der Schwule Männerchor Zürich – kurz «schmaz» genannt – besteht aus 40 schwulen Sängern und dem Dirigenten Ernst Buscagne. Seit über 20 Jahren erfreuen, überraschen, berühren und irritieren sie ihr Publikum. Die Laiensänger verbindet die Freude am Gesang gleichwohl wie ihr schwules Leben. Der Chor gibt Konzerte im Grossraum Zürich, von Genf bis in den Thurgau und von der Innerschweiz bis nach Schaffhausen. In Amriswil ist der Chor zuletzt im Jahr 2006 aufgetreten.

17 Jahre ist es her, seit sich die beiden Cellisten Daniel Schaerer und Alain Schudel im Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester kennengelernt haben. Ein erster Auftritt als Cello-Duo erfolgte im gleichen Jahr bei einem Dorfanlass im zürcherischen Hagenbuch. Seither sind die beiden Musiker als Duo Calva unterwegs, anfangs rein konzertant und seriös, was ihnen unter anderem auch den Titel Pro Argovia Artists 03/04 und den Orpheus Preis 2004 eingebracht hat. Aus harmlosen, aber charmanten und pointierten Konzertkommentaren entwickelten die beiden unter professioneller Anleitung die Idee eines Bühnenprogramms mit viel Cellomusik und einer treffenden Story als roten Faden. Mit dem Chor «schmaz» stehen die beiden für die Produktion Schubert with a twist auf der Bühne.