Passionskonzerte im April 2017

Passionskonzerte im April 2017
Wir freuen uns auf die gemeinsamen Auftritte mit der Aargauer Kantorei im April 2017

3. September 2013

St. Galler Tagblatt, 3. September 2013, «Schubert mit einem Augenzwinkern», von Michael Hug

LICHTENSTEIG. Franz Schubert? Klassik im «Chössi»? Ein vielversprechender Abend wartete am Samstag auf sein Publikum und man durfte gespannt sein. Der Einzug des Schmaz, des schwulen Männerchors Zürich, liess schon mal die Bühne aus den Nähten platzen. Rund 35 Choristen stellten sich im Halbkreis auf, vorne die beiden Plätze für das Duocalva, und so kam es, dass der Dirigent Ernst Buscagne direkt vor die Sitzenden der ersten Reihe sein Werk verrichten musste. So viele Akteure auf der Bühne hat das «Chössi» wohl noch nie erlebt. Was man da und dort leise befürchtet hatte, trat erfreulicherweise nicht ein, denn es waren im Publikum noch ein paar Menschen mehr als auf der Bühne zu sehen.
Das Wandern

Der Schmaz begann mit «Das Wandern ist des Müllers Lust». Ein Gedicht von Wilhelm Müller, zu dem Franz Schubert als erster von etlichen Komponisten eine Melodie schrieb, die später auch für Männerchor gesetzt wurde. Wandern, das heisst Bewegung, für einen Auftakt ist das Lied also bestens geeignet. Buscagnes Arrangement für den Schmaz zeigte schnell, wohin die Reise ging. Dies sollte kein öder Kammermusikliederabend werden, das wurde klar. Dazu fehlte die Solistin in der Abendrobe, dazu fehlte auch ein Pianist am Flügel. Im zweiten Lied, der «Forelle», ging es dann mit viel schräger Ironie richtig zur Sache, da verwandelte sich die brave Forelle plötzlich in einen Haifisch.

Mit komödiantischen Einfällen

Hinter den skurrilen Einfällen, die die klassisch-konservative Ausgangslage mit viel Augenzwinkern versahen, stand, vielmehr sass mit zwei Celli, das Duocalva. Mit ihren komödiantischen Einfällen setzten sie einen Kontrapunkt zum manchmal stillen, oft bewegenden, vielmals emotionalen und echt berührenden Auftritt der singenden Männer. Die Andächtigkeit, die stille Emotionalität des Männerchores rührt vom Legatogesang her. Diese hohe Art des Gesangs, in dem die Singenden während einer oder mehreren Textphrasen versuchen, Tonhöhe, Lautstärke und Tempo möglichst unterbruchsfrei zu halten, erfordert hohes Können und Konzentration.

Der Legatogesang, vorab wenn im Lied Zurückhaltung gefordert ist, erzeugt Hochspannung. Man hätte am Samstagabend eine Nadel auf den Boden fallen hören, so leise wars im Raum.

Die Grösse beziehungsweise Kleinheit des Chössi-Theaters erzeugt zusätzliche Intimität. Der Schmaz – notabene seit mehr als 20 Jahren ein Laienchor – schöpfte in Schuberts Fundus von in der heutigen Zeit etwas überholt anmutenden Liedern aus dem vollen: «Erlkönig», «Der Jäger», «Grab und Mond» und «Die Nacht». Zwei Lieder stets gab der Chor zum Besten, dann nahm er wieder das Duocalva mit den beiden Celli (Alain Schudel und Daniel Schärer) in seiner Mitte auf, das mit seinen meist wortlosen Slapsticks für Auflockerung sorgte. Es war ein abwechslungsreicher Liederabend, ein aussergewöhnlicher zudem mit äusserst zufriedenen Zuschauern. Die, wen erstaunt es, den «Schmaz» nach fünf Viertelstunden fast nicht mehr von der Bühne gehen liessen.