Samstag, 1. September 2012

Aargauer Zeitung, 1. September 2012

Tolle Stimmung zur Festivaleröffnung
Konzert · Musikalische Begegnungen Lenzburg: Duocalva und Schwuler Männerchor «schmaz» begeisterten

Es war eine amüsante und geistreich witzige Runde, die sich am Mittwochabend im Eröffnungskonzert der Musikalischen Begegnungen Lenzburg (MBL) um Schuberts Lieder «twistete». Das Duocalva und der Schwule Männerchor Zürich «schmaz» unter der Leitung von Ernst Buscagne begeisterten im Rittersaal von Schloss Lenzburg das zahlreich erschienene Publikum.

Die Lieder von Schubert gehören zum Schönsten, was das Liedrepertoire hergibt. Alain Schudel und Daniel Schaerer vom Duocalva haben für dieses Chorprojekt einige Lieder aus der «Schönen Müllerin» für Männerchor und zwei Celli arrangiert, da durften auch das «abgelatschte» «Ave Maria» und eine witzige Fassung der «Forelle» nicht fehlen, sie machten daraus «Forelle schlau».

Dabei geht es dem Duocalva nicht ums Verhunzen edler Kunst. Sie spielen mit dem Allzubekannten, singen mit ihren Celli die grossartigen Melodien toll aus, wechseln sich ab in Begleitfiguren und Gesang und finden zu Pointen, die subtil gesetzt und herrlich komisch sind. So knien sie plötzlich fürs «Ave Maria» vor ihren Celli, spielen es hingebungsvoll schmelzend, und als dann doch noch Bach und Gounod aufklingen, weil man eben nie so ganz weiss, welches «Ave Maria» nun das von Schubert ist, da wechselt Daniel Schaerer zum Cello von Alain Schudel, umarmt diesen von hinten und zupft die Begleitbewegung auf dem gleichen Instrument, welches die «elend» berühmte Melodie spielt.

Die beiden Celli passen mit ihrem sonoren Klang auch gut zum Männerchor. Der «schmaz» ist ein agiles Ensemble, das gerne die Gruppen und Positionen wechselt. Gekleidet sind die «hübschen» Herren aber ganz konform mit Krawatte und Anzug. Die ruhigen, klangvollen Männerchor-Hits von Schubert kamen alle zum Zug: Liebe, Sehnsucht, Grab und Mond, oder die Nacht. Die saubere Intonation ist entscheidend, damit die liegenden Harmonien gut klingen, und das taten sie am Mittwochabend.

Aber auch die Arrangements der Schubert’schen Solo-Lieder für Chor und zwei Celli überraschten. Denn der «schmaz» beherrscht den Legatogesang ausgezeichnet, es wurde weitatmig phrasiert, mit agilen Mittelstimmen. Neben all diesen «soften» Gesängen taten die beiden modernen, rhythmisch markanten Männerchor-Werke des Finnen Jaanko Mäntyjärvi ihre dramaturgische Wirkung. Schubert, das darf man wohl behaupten, hätte an diesem Abend seine helle Freude gehabt. Auch das Publikum erklatschte sich begeistert eine Dreingabe nach der andern, die Stimmung war grandios.

"Der «schmaz» beherrscht den Legatogesang ausgezeichnet – es wurde weitatmig phrasiert, mit agilen Mittelstimmen."