22. Mai 2006

Der Landbote, 22. Mai 2006, von Hans-Georg Rutz

, Winterthur

Im neuen Programm von Schmaz geht es thematisch um Berge. Das Konzert im Theater Winterthur war geprägt von geschultem Chorklang und ironischem Witz.



Manchmal ist weniger mehr. Das Konzertthema, Lieder über die Berge zu singen, könnte eine langweilige Einschränkung sein. Aber das Programm besteht aus 28 verschiedenen Gesängen und füllte 90 Minuten Konzert originell und abwechslungsreich aus. Die Liederauswahl selbst war breit angelegt, enthielt bekannte Volkslieder, Kompositionen von Artur Beul, Hardy Hepp, "Le vieux chalet", "Dorma bain", klassische Werte von Schumann und Mozart und poppige Songs wie "The Lion sleeps tonight".



Heinz Stalder hat rhetorisch-ironisch ausgefeilte Texte von teilweise bissigem Humor, aber auch poetischer Schönheit geschrieben. Sie wurden von Franziskus Abgottspon als Conférencier vorgetragen. Als Regisseur zusammen mit Muriel Bader (Choreographie) haben beide das Programm visuell gestaltet: Einstudierte Positionen, einfache Bewegungen und gezielte Gesten erzeugten Bilder, welche die Liedinhalte dauernd in Frage stellten.Während des vielleicht schönsten Schweizer Abendliedes, "Am Himmel stoht es Stärnli", legten sich alle Sänger auf die Bühne, kuschelten sich vertrauensvoll aneinander und schauten mit verklärtem Blick zu den Sternen am Firmament. Vor einer angedeuteten Bergkulisse und zu den Akkordeonklängen von Srdjan Vukasinovic zeigten die Herren und Männer ein Bild voller Anmut und Grazie, das haarscharf und voller Absicht die Grenze zum sentimentalen Kitsch berührte: Das traditionelle Liedgut wurde als Hort der Männerromantik entlarvt.



Ein scharfer Kontrast dazu waren die vom jungen Zürcher Komponisten Thomas Läubli geschriebenen Interpolationen zum Thema "Die Homosexualisierung der Gesellschaft", bei deren Vortrag das grelle Scheinwerferlicht unbarmherzig auf das Publikum gerichtet war.

Der Männerchor Schmaz, der von Karl Scheuber geleitet wurde, zeigte in allen Stimmregistern ausgeglichene Resonanzen. Hinzu kommen vorbildliche Diktion und Intonationssicherheit. Die Sänger dieses Laienchors können noch mehr: Sie setzten Falsettklänge ein, demonstrierten tiefste Basslagen, und die Solisten überzeugten mit kräftigen, klaren Stimmen mit hohen Obertonanteilen.