Montag, 3. April 2006

Thurgauer Zeitung, 3. April 2006, 
«Von Männerfreundschaft und Bergromantik»
,
 von Alois Degenhardt, 

Amriswil

Von seinem ersten Auftritt noch wohlbekannt, hat Schmaz, der schwule Männerchor aus Zürich, abermals das Publikum im ausverkauften Kulturforum in Begeisterung versetzt.



Ein Männerchor mit Handorgel treibt das Publikum zu stehenden Ovationen. Ist diese Spezies nicht dem Aussterben geweiht? Nicht, wenn es sich um einen Schwulenchor handelt. Dazu mit einem Amriswiler, genauer: einem Auenhofener an der Spitze, der in Fachkreisen als Professor für Kirchenmusik und Dirigieren höchste Anerkennung geniesst.

Und beim «Handörgeler» handelt es sich um den 24-jährigen Konzertakkordeonisten Srdjan Vukasinovic, Gewinner von zahlreichen internationalen Wettbewerben und Solist in bedeutenden Musikproduktionen, der mit stimmungsvoller Begleitung die Übergänge im oft sehr gegensätzlichen Programmablauf suchte.



Über den reinen Liedervortrag ist Karl Scheuber mit seinem Chor hinaus. Ein operettenhafter Handlungsfaden hält ein Programm zusammen, welches vordergründig nicht unterschiedlicher sein könnte. Schweizer Volkslieder aus allen Landesteilen wechseln sich ab mit Kompositionen von Mendelssohn und Beethoven, Mozart und Schumann, mit weltbekannten Hits von Kurt Weill oder Rodgers-Hammerstein, mit eigens komponierten Melodien und Texten. Das Ganze überzuckert von Bergromatik und Männerfreundschaft, eingeleitet von Bovets «Le Vieux Chalet», dem Sternli, «wo am Himmel stoht» und dem zu Herzen gehenden «Dorma bain». Für Sprecher und Regisseur Franziskus Abgottspon eine Gelegenheit, den «Hochverehrten Herren und Männern» - ganz nebenbei auch den anwesenden Damen - bewusst zu machen, dass in der Schweiz mehr Schwule leben, als Menschen, die Romanisch reden.



Eher als unvermeidliche Beigabe empfanden einige Zuhörer die vielleicht zu intensiv beschworene Schwulenproblematik dieser szenischen Produktion, in der sich die 40 Sänger einmal mehr als einer der besten Männerchöre der Schweiz bestätigten und weitgehend vergessen liessen, dass es sich um einen reinen Laienchor handelt.