Donnerstag, 16. März 2006

P.S., 16. März 2006,
 «Bergler»

, von Thierry Frochaux

Die 39 Mannen des schwulen männerchors zürich gehen in ihrem neuesten Programm «schmaz am Berg - die CHorperette» musikalisch lustvoll und stilistisch breit angelegt auf Wanderung.



Vom Schlager über das volkstümliche Lied, die altertümliche Weise, beschwingenden Swing, geflüsterten Träumereien und schluchzenden Sehnsüchten reicht das Repertoire des 39-köpfigen schmaz-Chors. Inhaltlich bietet die musikalische Reise zwar keinen dramaturgischen Bogen, aber die Männer zwischen 25 und 69 Jahren geben einen lustvollen musikalischen Abend mit einem breit gefassten «Berg»-Begriff.

Neben den im Vordergrund stehenden Stimmen gefallen die extrem einfachen, aber effektvollen Gruppenchoreographien von Muriel Bader sehr – denn ihre Arbeit reiht sich ebenso wie das Akkordeonspiel von Srdjan Vukasinovic organisch in den Konzertabend.

Ein beabsichtigter Bruch sind die im gleissenden Gegenlicht vorgetragenen Wortfetzen von Thomas Läubli unter dem Titel «Die Homosexualisierung der Gesellschaft», in denen er fragwürdige Zitate von einschlägig bekannten Politikern (edu, svp, evp...) raffiniert kompiliert. 

Der subjektiv störende Bruch sind die Sprecherparts von Franziskus Abgottspon (auch Regie). Er ist zwar ein begnadeter Sprecher, aber seine gönnerhaft vorgetragenen Plattitüden wirken eher, als träten sie mit dem Gesang in Konkurrenz. Die Hauptschuld am Gelingen trägt jedoch unbestritten der von Karl Scheuber geleitete Chor (auch mal verkleinert), der Brecht/Weills «Mutter Goddams Puff» ebenso überzeugend intoniert wie Wilbur Schwandts «Dream a little dream of me» oder Artur Beuls «Am Himmel stoht es Sternli». Ein (mit der benannten Ausnahme) kompakter, stimmiger Abend auf einem hohen Niveau, der einen fast vergessen lässt, dass man hier einem Laienchor lauscht.