Passionskonzerte im April 2017

Passionskonzerte im April 2017
Wir freuen uns auf die gemeinsamen Auftritte mit der Aargauer Kantorei im April 2017

14. März 2006

NZZ, 14. März 2006, 
«Idyllen mit Doppelsinn»

 und «Schmaz am Berg» in Miller's Studio, von Thomas Schacher

Der «Schmaz», der Schwule Männerchor Zürich, ist immer wieder gut für Überraschungen. Nach szenischen Produktionen, die auf die See oder auf den Mond führten, verwandelten sich die gut vierzig Sänger des Chors diesmal in Berggänger. Mit Bergschuhen, Wandersocken, Karohemden und Sonnenhüten ausgestattet, betraten sie die enge Bühne in Miller's Studio und präsentierten ein abwechslungsreiches musikalisches Programm, das sich vordergründig um das Thema Bergleben drehte. Man traf sich im «Vieux Chalet» von Joseph Bovet, besang den Glanz der Nacht mit dem Lied «Am Himmel staht es Sternli», schwärmte von «Mutter Goddams Puff» und verabschiedete sich mit Isaaks «Innsbruck, ich muss dich lassen.»Der von Karl Scheuber geleitete Chor, der fast alles auswendig sang, gefiel mit reiner Intonation und kultiviertem Klang. Da wurde nicht mit Stentorstimme geprotzt, sondern man suchte vorwiegend die leiseren Töne. Gewisse Schwierigkeiten bereitete die Koordination mit dem stimmungsvoll begleitenden Akkordeonspieler Srdjan Vukasinovic.

Hinter dieser Bergidylle trat aber immer wieder das Kernthema des Schwulseins hervor. Dafür sorgten beispielsweise die vom jungen Zürcher Komponisten Thomas Läubli geschriebenen Interpolationen zum Thema «Die Homosexualisierung der Gesellschaft», bei deren Vortrag das grelle Scheinwerferlicht unbarmherzig auf das Publikum gerichtet war. Auch Franziskus Abgottspon, der sowohl für die Regie verantwortlich zeichnete wie auch als Conférencier durch den Abend führte, griff das Thema in ernster und heiterer Weise auf. Die von Heinz Stalder verfassten Texte erwähnten beispielsweise die Tatsache, dass es in der Schweiz mehr Schwule als Rätoromanen gibt, was dann direkt zum Lied «Dorma bain» überleitete. Abgottspon und die Choreographin Muriel Bader liessen den Chor bei jedem Lied in einer anderen Gruppierung stehen, liegen, sitzen oder sich bewegen, was einige starke und einprägsame Bilder hervorbrachte. Beispielsweise jenes mit dem Solisten, der, nachdem er sein Solo gesungen hatte, seinen Platz im Chor nicht mehr fand, weil sich seine beiden Nachbarn zusammengeschlossen hatten. Oder das Lied, bei dem einige Paare in der Mitte tanzten, während die anderen am Rande zuschauten.