1. April 2004

Musik & Theater, April 2004,
 «Die Überraschung»

«Die Überraschung» 
Ein Schubert-Abend: schmaz, Roger Widmer (Tenor),
Irwin Gage (Klavier), Karl Scheuber, Franz Hohler
von Bruno Rauch

Im Jahr 2003 erarbeitete der schwule Männerchor Zürich schmaz unter seinem Dirigenten Karl Scheuber ein ausgewachsenes Schubertprogramm, eine Schubertiade mit Gesang und Rezitation, wie sie Schubert und sein Freundeskreis pflegten. Solist war der Schweizer Tenor Roger Widmer, am Klavier der gefragte Liedbegleiter Irwin Gage.

Kommentierende, hinterfragende und skurrile Einsprengsel zwischen den Gesangsnummern lieferte der Kabarattist Franz Hohler - auf der Bühne eine gelungene Mischung, wenn auch nicht jeder Text gleichermassen kohärent schien. In seiner jüngsten Einspielung legt der schmaz nun - eine glückliche Idee! - neben der Version mit eine ohne Zwischentexte vor, die der Intimität des Schubertschen Universums wohl bekommt. Zumal der schmaz dessen Vielschichtigkeit mit exemplarischer Vokalkultur ausmisst, wobei er sich auf eine für einen Laienchor beneidenswerte tenorale Phalanx verlassen kann. Auch der emotionale Gehalt wird bis zum fast beängstigenden Überschwang - etwa in «Nachthelle» - ausgelotet.Intonationssicher umschifft der Chor selbst a capella die heikelsten Passagen - zum Beispiel in «Wehmut» von Hüttenbrenner oder Goethes «Gesang der Geister». Widmers junger Tenor scheint irgendwo auf der Suche nach dem eigenen Timbre; die schlanke Stimme hat mehr Körper gewonnen, in der zugegebenermassen exponierten Höhe aber (vorübergehend?) an Leichtigkeit und Charme eingebüsst; auch die Registerübergänge sind nicht ganz problemfrei. Gage begleitet gleichermassen flexibel und dezidiert, mit einer Delikatesse, die nicht nur eine grosse Erfahrung im Liedgesang, sondern auch eine Vertrautheit mit dem Schubert'schen Idiom verrät, dessen bittersüsse Romantik ohne jegliche Sentimentalität immer wieder schaudern macht.