20. November 2003

Die Südostschweiz, 20. November 2003,
 «Ein Abend zu und mit Franz Schubert»

Wie viel haben uns die Romantiker heute noch zu sagen? Wie fern sind uns, jenseits der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend, Themen wie Einsamkeit, Ausgestossensein, Armut und gedankliche Enge? Wie gehen wir in einem hoch technologisierten Zeitalter mit dem Bild einer intakten, romantisierten Natur um?

Solche Fragen stellt sich - nicht ganz zufällig - der Zürcher Chor schmaz und singt ein Programm, das Franz Schubert in den Mittelpunkt stellt. Die 50 Sänger verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft verbindet neben der Liebe zur Musik vor allem die Homosexualität.Unter der Leitung seines Dirigenten Karl Scheuber hat sich der im Jahr 1990 gegründete Chor mittlerweile zu einem der vielseitigsten Männerchöre des Landes entwickelt.

Auch in seinem neuen Programm, das morgen in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Graubünden im Stadttheater Chur gezeigt wird, geht der schmaz neue Wege. So werden Schuberts Liedern mit ihren hochromantischen Texten Gedichte und Geschichten von Franz Hohler gegenübergestellt. Damit soll die Skurrilität der Dichtungen aus Schuberts Zeit unterstrichen und gebrochen werden.

Neben Hohler, der sich eigentlich Bühnenabstinenz verordnet hatte, wirken bei dem Programm zwei weitere bekannte Künstler mit: Irwin Gage wird den schmaz am Piano begleiten, Roger Widmer, Tenor an der Stuttgarter Oper, singt die anspruchsvol-len Solopartien. Inszeniert wird der Abend von Dominik Flaschka vom Theater am Hechtplatz in Zürich.