Passionskonzerte im April 2017

Passionskonzerte im April 2017
Wir freuen uns auf die gemeinsamen Auftritte mit der Aargauer Kantorei im April 2017

27. Mai 2003

Tages-Anzeiger, 27. Mai 2003,
 «Unser Spektakel ist ein Dank an Zürich»


Das Zürcher Chorspektakel vom 29. bis 31. Mai erinnert an zehn Jahre, in denen sich für Schwule und Lesben viel zum Guten verändert hat., mit Peter Kyburz* sprach Daniel Suter

Das SchwuLesbische Chorspektakel präsentiert sich als Jubiläumsveranstaltung. Weshalb?
Weil wir im Mai 1993 in Zürich zum ersten Mal ein europäisches schwul-lesbisches Chorspektakel durchgeführt haben. Deshalb wollten wir zum 10-Jahres-Jubiläum wieder einen solchen Anlass in Zürich organisieren.

Die schwul-lesbische Chorszene hat ja in diesen zehn Jahren starken Zulauf bekommen. 
Ja, sie hat sich massiv vergrössert. Bisher fanden die europäischen Chorspektakel alle zwei Jahre statt. Am letzten Festival 2001 in Berlin haben über 70 Chöre teilgenommen - das ist von der Organisation her beinahe nicht mehr zu bewältigen. Für 2005 ist in Paris wieder ein grosses Treffen geplant. Wir haben nun das «Zwischenjahr» benutzt, um einige besondere Chöre einzuladen.Das Chorspektakel von 1993 hatte neben dem musikalischen auch einen eindeutig politischen Höhepunkt: den offiziellen Empfang und die Rede von Erziehungsdirektor Alfred Gilgen auf der Halbinsel Au.
1993 war der erste grössere, auch von den Medien stark beachtete schwul-lesbische Anlass in Zürich. Er hat vieles ausgelöst und viele Türen geöffnet. Regierungsrat Alfred Gilgen hielt seine Ansprache, in der er für Toleranz plädierte. Damals war es noch eine ganz andere Problematik für einen Politiker, ob er an einem schwul-lesbischen Anlass mitmachte oder nicht. Daran sieht man, wie sich in sehr kurzer Zeit sehr viel verändert hat. Wenn jemand 1993 gesagt hätte, 2002 werde im Kanton Zürich ein Gesetz für gleichgeschlechtliche Partnerschaften angenommen, dann hätten damals die meisten den Kopf geschüttelt.

Also leitete die Ansprache von Erziehungsdirektor Gilgen einen Prozess ein, der zur öffentlichen Rede von Bundespräsident Moritz Leuenberger am Christopher Street Day 2001 in Zürich führte? 
Ja, auf der politischen Ebene ist viel passiert, und wir vom schmaz (Schwuler Männerchor Zürich) spüren einen grossen Support von Stadt und Kanton Zürich. Wir werden ernst genommen als Chor und als Bestandteil der Kulturszene. Wir haben auch immer wieder gute Auftrittsmöglichkeiten im Zusammenhang mit politischen Anlässen. Zum Beispiel sangen wir 2001 beim offiziellen Staatsempfang von Vaclav Havel auf dem Rütli. Auch das hätte 1993 noch niemand zu hoffen gewagt. Das dünkt mich das Faszinierende: Wie viel in diesen zehn Jahren passiert ist in Zürich an Toleranz, die sich gewandelt hat in Akzeptanz. Darum möchten wir mit unserem Chorspektakel auch sagen: Danke Zürich!

Welches sind die Highlights des Spektakels?
Wir haben versucht, ein breites Programm zu gestalten. Am Donnerstag und Freitag sind im Volkshaus die schrägeren, frecheren Gruppierungen dran. Es sind starke choreografische und szenische Auftritte mit Schwerpunkt Unterhaltungsmusik. Am Samstag dann als Kontrapunkt die Gala in der Tonhalle mit dem schmaz , der eher aus dem E-Musik-Bereich kommt. Ebenso wie die Mélo'Men aus Paris. Und am Schluss werden die 350 Sängerinnen und Sänger aller Chöre gemeinsam Anton Bruckners «Abendzauber» und die Uraufführung von Daniel Fueters «Au bord de l'eau» singen. Das wird bestimmt ein bewegender Moment sein.

Bleibt bei so vielen Sängerinnen und Sängern in der Tonhalle noch Platz fürs Publikum? 
Ja, unbedingt.

*Peter Kyburz ist Präsident des Organisationskomitees des SchwuLesbischen Chorspektakels Zürich. Seit 1993 singt er im schmaz , dessen Präsident er sechs Jahre lang war. Programm-Info: www. chorspektakel.ch