31. Mai 2003

Blick, 31. Mai 2003, 
«SchwuLesbisches Chorspektakel in Zürich» von Rico Bandel


Von schrill-schräg bis klassisch: beim «SchwuLesbischen Chorspektakel» in Zürich ist alles erlaubt.

Sie kamen in Frauenkleidern oder in Anzügen auf die Bühne. Die Vielfalt war bereits am ersten Abend des Chorspektakels gross. Der «Schwule Männerchor Kiel» machte den Anfang und sang vom Kitsch und vom Leben der Schwulen. Die achtköpfige A-capella-Gruppe war schrill gekleidet, doch ihre Musik erklang in sanften Tönen. Selbstironie gehörte wie bei den meisten anderen Chören dazu. So handelte ein Lied von einem schwulen Hund, der «anstatt wuff miau mache».Ebenso unterschiedlich wie Grösse, Kleidung und Show der verschiedenen Chöre war die musikalische Qualität. Ob perfekt oder eher handgestrickt, das Publikum feierte sie alle.

Höhepunkt des ersten Abends waren die «Mainsirenen» aus Frankfurt mit der Uraufführung ihres Programms «Klischee? Okay». Der etwa 30 Sänger umfassende Chor brachte nicht nur sehr professionelle Arrangements zum Besten, die Texte setzten sich überraschend kritisch und doch humorvoll mit dem Lebensstil der Homosexuellen und der Schwulen-szene auseinander. Wo bei einigen Liedern die Pointe war, dass gewisse Klischees eben doch zutreffen, ging es bei einem um die fehlende Toleranz innerhalb der Schwulenszene. Sieht einer anders aus, passt einer nicht ins Bild, so ist auch unter den Schwulen die Toleranz nicht viel grösser als anderswo.

Elf Chöre aus drei Ländern wurden für die drei Spektakel- Tage eingeladen. Sie heissen «Die Fetten Koketten Soubretten», «Philhomoniker» oder «Cantorosa». Gastgeber ist der «Schwule Männerchor» Zürich (schmaz). Heute Abend wird er zum Abschluss des Spektakels nebst dem Pariser Chor «Mélo'men» in der Tonhalle ein klassisches Konzert geben. Bei so viel Gesang konnte Moderatorin Monika Kälin am Donnerstag nur noch sagen: «Das schönste Instrument ist doch die Stimme».