28. März 2002

NZZ Ticket, 28. März 2002, 
«Judas-Passion»

«Die Geschichte ist uralt. Und ereignet sich heute immer noch. Jeden Tag», sagt Jürg Jegge über seinen Text, auf dem die «Judas-Passion» fusst, die am Karfreitag im Grossmünster zur Uraufführung gelangt. Im Reigen der zahlreichen geistlichen Werke, die an den Ostertagen zu hören sind, nimmt sich die «Judas-Passion» eher ungewöhnlich aus: einerseits durch die Instrumentierung, zu der auch Schlagzeug und Saxophon gehören, andererseits durch den Inhalt: Das Werk schaltet die Geschichte des unehelich geborenen Verräters parallel zu derjenigen Jesu.

Mit der «Judas-Passion» wagt sich der renommierte fünfzigköpfige schmaz (schwuler männerchor zürich) erstmals an ein Chorwerk der Gegenwart. Geschaffen hat es Daniel Fueter, Zürcher Konservatorium-Direktor und Komponist zahlreicher Bühnenmusiken, Lieder, Kinderballette sowie der im vergangenen Jahr uraufgeführten Operette «Der Aufstand der Schwingbesen», eigens für den Schmaz, vier Vokalsolisten sowie zwölf Instrumentalisten. Den zweiten Teil der Aufführung bilden die «Lamentationes» von Giovanni Pierluigi da Palestrina aus dem 16. Jahrhundert für A-Capella-Chor.