1. Mai 2001

Zürichsee Zeitung, Mai 2001, 
«Der schmaz singt und spielt»,
 von Martin Kraft

Ursprünglich trat der schwule männerchor zürich (schmaz) nur singend in Erscheinung. Seit einiger Zeit wagt er sich auch an szenische Darbietungen - diesmal an eine mit grosser Begeisterung aufgenommene Adaptation von Gioacchino Rossinis «Wilhelm Tell». Die Sache ist eigentlich recht widersprüchlich, denn der Schmaz singt ja (unter der Leitung von Karl Scheuber) tatsächlich sehr schön, beinahe professionell anmutend bis in manche Soloauftritte. Und das Orchester dieser musikalischen Bearbeitung von Thomas Fischer, der selber am Keyboard mitspielt, ist zwar mit fünf Mann für eine Grande Opéra etwas schwach besetzt.

Doch es steuert seinerseits beherzt so viel, wenn auch oft etwas ungewohnten, Wohlklang bei, dass man sich gelegentlich fast in einer richtigen Oper wähnt.

Zudem kann Regisseur Dominik Flaschka mit den Mitwirkenden, die auch in dieser Hinsicht Laien sind, niemals denselben parodistischen Nonsense anrichten wie mit den berufserfahrenen Mitgliedern der mehrfach bewährten Shake Musical Company, so dass auch seine Inszenierung zuweilen beinahe wie ernst gemeint wirkt, was ja heute auch nicht immer so weit von einer Parodie entfernt ist. Und die stellt sich dann angesichts eines dafür prädestinierten Stoffes so oder so ein.Die Ausstattung (Peter Eisenring und Madeleine Erhard) kann keinen grossen Aufwand betreiben, aber die «historischen» Kostüme heben sich effektvoll vom Chor der Graugewandeten ab, die Einheitsbühne erweist sich als vielseitig nutzbar und erstrahlt ab und zu in prächtig kitschigen Lichteffekten. Alle Rollen sind so weit stimmig besetzt und vielleicht am stimmigsten diejenigen der beiden Frauen, natürlich ebenfalls mit Männern: Wenn die bärtige Hedwig Tell auf der Suche nach ihrem Gatten über die Bühne rast oder Prinzessin Mathilde naturverbundenen Ausdruckstanz vorführt, ist das ebenso komisch wie unvermeidlich Tells abenteuerliche Schifffahrt oder die zentrale Apfelschussszene. Und vollends wenn die Dorfgemeinschaft zu Gesslers Ehren folkloristische Darbietungen mit Jauchzern und Pappnasen zum Besten gibt, zeigt sich, dass hier komödiantische Spielfreude ebenso viel zum Gelingen beiträgt wie die hohe Gesangskultur.